Das Kinderschutz-Zentrum
 
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Das Herz am sozialen Fleck

Mit dem Ruhestand von Erwin Wieskus-Friedemann geht nun eine 26-jährige Ära im AWO/Kinderschutz-Zentrum (KIZ) zu Ende. Der 63-Jährige hinterlässt mit einer besonderen Kooperation zwischen der Jugendhilfe und dem Gesundheitswesen einen Bereich, der so in Deutschland einzigartig ist.

 

Als er 1991 beim Kinderschutz-Zentrum anfing, hat ihn das Konzept dieser besonderen Einrichtung  schon damals überzeugt. „Diese Institution stigmatisierte gewaltbereite Eltern nicht, sondern suchte mit ihnen nach Lösungen,  die Kinder wollten eben nicht neue Eltern, sondern dass die Misshandlung aufhört,“ erklärt er.

 

Erwin Wieskus-Friedemann beschäftigte sich zunächst beim KIZ mit diesen belasteten Familien im Bereich der sozialpädagogischen Familienhilfe.  Nach 20 Jahren wurde ihm immer deutlicher: „Es fehlt etwas im Hilfesystem.“ Was fehlte lag aus seiner Sicht auf der Hand: Damit gerade psychischen und suchtbelasteten Familien besser geholfen werden kann, brauche es einer besseren Kooperation zwischen dem Gesundheitswesen und der Jugendhilfe.

 

Von der Idee zu der tatsächlichen Umsetzung dauerte es noch einmal etwa drei Jahre und eine Menge Überzeugungsarbeit samt öffentlichkeitswirksamen Fachveranstaltungen sowie der Suche nach einer Finanzierung. Doch von seiner Idee ließ sich der Netzwerker nicht abbringen, suchte unermüdlich Mitstreiter und fand sie schließlich mit Ulrike Boden als Kreisgeschäftsführerin der AWO und dem KIZ-Förderverein.

 

Der Durchbruch gelang mit Fördermitteln von der Aktion Mensch und dem Förderverein des KIZ. Am 1. November 2011 wurde mit dem Projekt „NischE – nicht von schlechten Eltern“ ein neues Kooperationsmodell umgesetzt. Mit der Finanzierung im Rücken konnte schnell ein spezielles Angebot in enger Zusammenarbeit mit dem Ärztlichen Direktor der LWL-Klinik Klaus-Thomas Kronmüller und Ulrich Kemper von der LWL Klinik Gütersloh für Familien mit einer psychischen Erkrankung oder Suchterkrankung umgesetzt werden.

 

„Aufgrund der positiven Evaluierung kam es nach Ablauf des Projektes zu einer Finanzierung durch die Kinder- und Jugendpsychiatrie Hamm und dem LWL Klinikum Gütersloh und allen Jugendämtern der Stadt und des Kreises Gütersloh“, freut sich Wieskus-Friedemann. Eine noch engere Zusammenarbeit zwischen der familienmedizinischen Ambulanz des LWL-Klinikums und der NischE habe sich in der Folgezeit entwickelt.

 

Dieses Engagement stellt bis heute für Wieskus-Friedemann einen wichtigen Meilenstein seiner Arbeit dar. Inzwischen hat dieses Projekt weit über die Grenzen der Stadt und des Kreises Gütersloh hinaus einen positiven Ruf und sei das einzige seiner Art in Deutschland.

 

Nach seiner offiziellen Verabschiedung im Rahmen einer Feier im Haus der Begegnung der AWO geht er nicht nur in den Ruhestand, sondern wird künftig Kollegen im Umgang mit psychischen- und suchtbelasteten Familien durch Fortbildungen weiter qualifizieren. Privat möchte er sich noch intensiver dem Familienleben mit seinen zwei Söhnen, einer Tochter und den drei Enkelkindern widmen.