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Schütteln ist lebensgefährlich

Die Folgen des Schüttel-Traumas sind erschreckend und dennoch gibt es Auswege aus der Überforderung: Wenn Babys aus der Not heraus geschüttelt werden, dann sind die Konsequenzen schon beim ersten Mal unabsehbar und können zu lebenslangen Schädigungen führen. Das Kinderschutz-Zentrum Gütersloh beteiligt sich am „Bündnis gegen Schütteltrauma“ und möchte damit in erster Linie auf Alternativen und Unterstützungsmöglichkeiten hinweisen.

 

„Uns geht es erstmal darum, die entscheidenden Minuten vor einer Belastungssituation zu beleuchten“, so Pia Eckmann. Die Leiterin der Familienberatungsstelle in der Familienberatungsstelle AWO/Kinderschutz-Zentrum an der Böhmerstraße 13 spricht den von so genannten „Schreibabys“ betroffenen Eltern Mut zu: Wenn man sich die Abläufe genau anschaut, wird oft schon vieles deutlich: Übertrage ich als Elternteil vielleicht meinen eigenen Stress auf das Kind? Denke ich vielleicht, dass mich das Kind mit dem Schreien bewusst ärgern möchte? Oder geht es vielleicht eher darum, dass ich mich in der Situation hilflos und alleine gelassen fühle?

 

„Wenn den Ursachen auf den Grund gegangen wird, ergeben sich im nächsten Schritt alternative Handlungsmöglichkeiten“, so Eckmann. Vielleicht genügt es, das Baby sanft auf dem Arm zu schaukeln oder den Bauch und Rücken zu massieren. Im Fall einer eigenen Überforderung, sollte die Betreuungsperson die eigene Notbremse im Kopf ziehen. Dies könnte so aussehen, das Baby zunächst an einen sicheren Ort zu legen und dann der Erwachsene den Raum verlässt, durchatmet und sich beruhigt – natürlich aber weiterhin das Kind im Blick behält.

 

Für Stefan Grollmann, im Vorstand des Kinderschutz-Zentrums und praktizierender Gütersloher Kinder- und Jugendarzt, stellt das Thema eine Herzensangelegenheit dar: „Es ist doch keine Schande, wenn die Nerven blank liegen – das kennt doch jedes Elternteil.“ Im Praxis-Alltag gehe es oft darum, über solche Situationen zu sprechen und Entlastungsmöglichkeiten zu finden. Er stellt fest: Manchmal reiche es eben, die Signale des Kleinkindes besser zu verstehen, „sozusagen die Baby-Sprache zu übersetzen“. Ganz normal und gar nicht ungewöhnlich sei es, dass Babys auf Grund der Prägung des Gehirns auf noch so kleine Reize von außen sehr emotional reagieren können.

 

Und so verwundere es auch nicht, dass Studien bei Säuglingen im zweiten und dritten Lebensmonat von einer durchschnittlichen „Schreidauer“ von zwei bis drei Stunden täglich ausgehen. Trotzdem seien die Kinder gesund und letztlich ist – zumindest in der Regel – die Schreiphase ab dem vierten Monat weitgehend überstanden.

 

Letztlich weisen beide Experten darauf hin, dass natürlich jedes Kind unterschiedlich ist. Im Zweifel gehe es darum, sich besser zu früh als zu spät, eine Unterstützung wie eine Elternberatung zu holen. Die Familienberatungsstelle ist unter Telefon 05241-903 550 erreichbar.

 

Info

Warum schütteln so gefährlich ist

Wenn Eltern für wenige Sekunden die Kontrolle verlieren und ihr Baby schütteln, können sie ihm lebenslang schaden. Säuglinge können ihren Kopf noch nicht alleine halten. Beim Schütteln wird der Kopf vor- und zurückgeworfen. Dabei kann es zu schweren Verletzungen im Gehirn kommen. Man spricht dann von einem Schütteltrauma. Blutgefäße und Nervenbahnen reißen. Krampfanfälle sowie geistige und körperliche Behinderungen können die Folge sein. Zwischen 10 und 30 Prozent der Kinder sterben sogar. Informieren Sie auch die Großeltern, Nachbarn und Babysitter über die Gefahren des Schüttelns. Sollten Sie die Beherrschung verloren haben: Bringen Sie Ihr Kind sofort zur nächsten Klinik!

 

Foto: Geben Rat: Pia Eckmann, Leiterin der Familienberatungsstelle im Kinderschutz-Zentrum, Stefan Grollmann, Vorstand des Kinderschutz-Zentrums und Netzwerkoordinatorin Melanie Stitz von der Stadt Gütersloh (von links).